Textverarbeitung

Schema der Textverarbeitung

Dieses "Schema" stand am Anfang.

Im Jahr 1955 gab es bei der IBM-Deutschland, im Rahmen IBM World Trade, den Geschäftszweig ET = Electric Typewriters, Elektrische Schreibmaschinen. - Ulrich Steinhilper war ET-Vertriebsbeauftragter, einer von 26 in Deutschland.

In Stuttgart waren wir 2 ET-Vertriebsbeauftragte und 10 Kollegen des DV-Vertriebs (DV= Daten-Verarbeitung).

Data Processing war schon ein Begriff, unsere DP-Kollegen schauten auf uns herab. ET war der "Bauchladen" der Firma.

Sie verkauften ein "Konzept" mit Arbeitsvorschlägen, wir "nur" Maschinen. - Das wurmte! Meinen guten Verkauf (viele Neukunden) wollte ich auch mit einem "Konzept" unterstützen.

Bei den großen Kunden in meinem Bezirk verwendete ich daher immer häufiger obiges Schema. Dabei erzählte ich:

In jedem Büro wird zuerst gedacht, dann kommt die Ausführung. Wo man in der Fertigung z. B. Drehen, Schleifen, Montieren, Lackieren, vielfältige Tätigkeiten vorfindet, ist es im Büro einfacher!
Die Haupttätigkeiten sind: SCHREIBEN und RECHNEN! - Die Produkte sind viel einfacher. - Statt z.B. Fernseher oder ganze Autos produzieren wir im Büro nur:   SEITEN PAPIER - die sich unterscheiden als TEXT, SEITEN mit einer Mischung Text UND Zahlen und SEITEN, die nur ZAHLEN (berechnet) enthalten.

Seiten mit Zahlen werden im modernen Büro schon mit Hilfe von Maschinen,(ähnlich der Fertigung), per Datenverabeitung produziert.

Ich prophezeite, daß die elektrische Schreibmaschine der Anfang eines ganzen Parks weiterer Maschinen - zur Erstellung der SEITEN mit TEXT - sei. - Es gäbe in Zukunft:

TEXT - UND DATENSYSTEME.

Da ich mit dem Schema Erfolg hatte, reichte ich Ende 1955 bei IBM-Deutschland (Vorschlag # 9103) einen Verbesserungsvorschlag ein. Ich schlug vor, das Schema auf alle blauen Umschläge, die damals vorwiegend "DP-Arbeitsvorschläge" enthielten, aufzudrucken.

Brief von IBM

Deutschland entschied, daß diese Entscheidung in den USA zu treffen wäre! - Also beschrieb ich die ganze Sache in Englisch! - Die Folge war die oben stehende Antwort. - Zwar sei das "Formular" schwierig zu erklären - aber dennoch - eine anerkennende Prämie von DM 25.- (in Worten: Fünfundzwanzig Deutsche Mark) wurde mir zuerkannt.

Dieser Trostpreis von DM 25.- im Jahre 1956 war eine Enttäuschung. Jedoch gab ich die Idee "Word Processing" nicht auf.

Inzwischen kam es in Stuttgart zur Anerkennnung, ich wurde von der Belegschaft nicht nur zum "Betriebsrat" vorgeschlagen, sondern auch gewählt, sogar von den DP Kollegen. - Ein Problem für die deutsche Geschäftsleitung! - Inzwischen war ich "ET-Manager" geworden. - Da der Vorsitzende des örtlichen Betriebsrates überzeugter Kommunist war, durfte ich als Gegengewicht beide Aufgaben antreten.

Es sprach sich in ganz Deutschland herum, daß in Stuttgart einer etwas Neues zu sagen hatte. - Da ergab sich eine besondere Gelegenheit: 1958 wurde der deutsche 100% Club in MADRID gefeiert. Obwohl mein Vortrag dort in deutsch gehalten war, hiess das "Konzept" "Word Processing". - Dies sprach sich in Europa herum, mein Vortrag wurde von mir ins Englische übersetzt.

Das "Konzept" zeitigte gute Verkaufsergebnisse. Wohl deshalb wurde ich 1961 auserwählt, die IBM "Kugelkopf"-Schreibmaschine in Europa einzuführen. Diese Einführung war erfolgreich. Ich wurde zu IBM Europa nach Paris versetzt. Diese Berufung benützte ich nicht nur zur Förderung der Kugelkopfschreibmaschine, sondern auch - sozusagen nebenbei - dazu, der Welt das Konzept Word-Processing nahe zu bringen. - In einem Meeting in Nizza wurde das Konzept erstmalig international vorgestellt, dort war sogar Australien vertreten.- Das Glück wollte, daß ein amerikanischer Vorgesetzter wußte, daß im ET-Labor in Lexington/USA die erste Magnetband-Speichermaschine vor der Markteinführung stand.-

1962 kehrte ich als Office Products OP-Manager nach Deutschland zurück und hatte damit etwa 500 Mitarbeiter (einschließlich Technischen Aussendienst) zu führen. - Da das Budget von mir zu erstellen war, konnte ich Vorsorge treffen - und besondere Mittel für das Konzept einplanen. - Vorsicht! Das Konzept muss sich bezahlt machen: "Entweder Du erzielst damit eine bessere Produktivität, oder lass es bleiben!" - war das Motto.

Wir wünschten als "Geschäftszweig" einen attraktiven Namen, wollten uns an die Datenverarbeitung anlehnen. "Wortverarbeitung"? - Dazu gab es vom großen Bruder Einspruch - mit "Text"-Verarbeitung waren dann alle zufrieden. Und es ist Herrn Generaldirektor Prof. W.A.Bösenberg zu danken, daß es in Deutschland zur Taufe des "Geschäftszweiges Textverarbeitung" kam. - Einmalig bei IBM in der ganzen Welt!

Im Jahre 1964 brachte IBM die Magnetkarten-Speicher-Maschine auf den Markt. Jetzt war es für uns so weit, daß wir von der Textverarbeitung wirklich sprechen konnten. Magnetbänder - Magnetkarten - Maschinen nannten die USA damals MAG-MEDIA. Wir in Deutschland tauften diese Maschinen bald Text-Verarbeitungs-Maschinen. Da "Word Processor" catching (ansprechend) war, folgte uns bald die englisch sprechende Welt mit diesem Begriff. - Jetzt endlich war "Word Processing" offiziell. Aber in USA blieb es für die Division bei OP (Office Products) - warum? Ich weiß es nicht.

Inzwischen hatten wir in Deutschland, in Stuttgart, die 1. Schule für Textverarbeitung (3 Lehrsäle) gegründet. Der folgte die große Schule für Textverarbeitung in Mainz, die von dem damals dort sehr bekannten und populären Oberbürgermeister "Jockel" Fuchs eingeweiht wurde. Dort bildeten wir aus: Organisatoren, Sekretärinnen, Schreibdienstleiterinnen und natürlich unseren eigenen technischen und kaufmännischen Außendienst.

Die Schule für Textverarbeitung kam bei OP in USA ins Gespräch. Ich wurde 1966 zum 100% Club der OP Division USA (ca 35 00 Mitarbeiter) nach Miami eingeladen, um dort zu allen Managern über das Konzept "Word Processing" zu sprechen. Damit verbunden war der Besuch des Schulungszentrums in Dallas (ca. 300 Lehrer). Dort wurde jedoch nur "intern" ausgebildet. - Man wollte Kunden und eigene Mitarbeiter nicht zusammen bringen. - Meine Vorträge, unterstützt mit Folien und Flip Charts wurden gefilmt. - Viele waren begeistert! - Für einen Einzelnen (mich) jedoch ist es schwer, einen großen Apparat in Bewegung zu setzen!

Erfolgreicher war die Zusammenarbeit mit dem OP Entwicklungschef Bud Beattie in Lexington und Austin/Texas. In beiden Labors waren damals etwa 2000 Leute, in Marktforschung, Planung, Entwicklung, Design und Preisfindung, beschäftigt. Beattie war für meine Ideen sehr empfänglich. - Wir vereinbarten - wenn wichtig - direkt und privat zu verkehren - immer noch "vertraulich" - daher auf privatem Kanal. Für ihn war "Word Processing" ein "Schirm", unter dem Produkte entwickelt werden konnten. - Seine Fragen waren präzise - meine Antworten wohl auch - sie hatten Bestand. - Wenn ich keine Antwort hatte, gab ich eine persönliche Meinung - oder auch nicht. Auf diese Art hatte ich auf "Neue Produkte" einen besonderen Einfluß!

Das alles hatte zur Folge, daß OP-USA von Deutschland "Assignees" - Gesandte anforderte. - Dieser Bitte kam ich, zur Förderung deutscher Mitarbeiter, gerne nach. Die Anforderungen wurden jedoch immer größer - man konnte nicht mehr alle Wünsche erfüllen.

Schema

Im Jahre 1971 fand ich meine Anstrengung belohnt - in Paris, dem Sitz der IBM-Europa, erhielt ich aus den Händen des angereisten General Direktors der IBM Deutschland, Herrn Prof. W. A. Bösenberg, den

"ACHIEVEMENT AWARD"

für die Schaffung und Verbreitung des Begriffs "Word Processing". - Dieser Award war eine Reise "rund um die Welt" - für mich und meine Frau.

Bald darauf folgte in Deutschland eine Pressekonferenz.

Konferenz

Presse Konferenz 1971. Vor Journalisten erklärt Ulrich Steinhilper (am Pult) das "Schema" Word-Processing - Text-Verarbeitung. Neben dem Flip-Chart Gen. Dir. Prof. W.A.Bösenberg. Dahinter ein "Word Processor" eine Magnet-Speichermaschine.

Sinnvollstes Ergebnis war, daß innerhalb Deutschlands die gesamte Verwaltung, die Zentrale, die Datenverarbeitung, der Außendienst, die Fabriken, kurz alle, die dem Konzept "Textverarbeitung" folgende Organisationsform übernahmen. Eine große Rolle spielte dabei das gute, geschulte Diktat.

Den größten Erfolg erlebte ich im Jahre 1973. Da wurde ich zur "Internationalen Word Processing Konferenz" in Boston/USA - als "Keynote Speaker" eingeladen. - Nach meinem Vortrag dort, in dem ich wiederholte, daß Word Processing bedeute "Gedanken, hörbar, dann sichtbar zu machen, um sie zur Verteilung vorzubereiten" erinnerte ich auch daran, daß es sich um "keine Revolution, sondern um eine stetige Evolution" handeln müsse!"

Inzwischen wurde der Gedanke "Textverarbeitung" auch außerhalb der IBM weitergepflegt. Wie schon oben zu lesen, wurde in USA die "Internationale Word Processing Association" gegründet. Dieser folgte sofort nach Boston in Deutschland der VERBAND FÜR TEXTVERARBEITUNG, der "VTV", dessen Ehrenmitglied ich heute noch bin.

Ursprünglich hatte IBM zum VTV engen Kontakt, stellte Unterrichtskräfte und Erfahrung zur Verfügung. - Heute ist der Verband selbständig, modern und vielfältig. Die Entwicklung wird von ihm vielschichtig vorangetrieben. - Seine Seminare und Schulungen weisen hohe Qualität auf. Um aufrichtig zu sein: Ursprünglich wußte ich nicht, was ich losgetreten hatte, jedoch heute glaube ich, daß "Textverarbeitung", der PC mit all seinen Zweigen auf gutem Weg sind. Wenn die "Worte", der "Text" einmal im "Speicher" sind, kann man mit Maschinen verschiedenster technischer Entwicklungen sinnvoll "arbeiten"

.

Aber auch im Zeitalter der "Voice Recognition", der "Spracherkennung" wird das gesprochene Wort, von der Qualität der "Eingabe", dem Diktat abhängen. Ob da wohl Schulung weiterhelfen wird? - Oder kann auch da die Technik helfen?

Rechtzeitig hatte ich meine Pensionierung für das Jahr 1979 geplant. -Nachdem ich in Deutschland bei vielen Vorträgen auf "Führungskräfte-Seminaren" inmitten eines Teams von Wissenschaftlern, Soziologen, Organisatoren, Sekretärinnen, Schreibkräften, die auch mit modernen Maschinen umgehen konnten, mein Wissen und meine Erfahrung vermittelt hatte, wollte ich rüstig in "Rente gehen".

Nach Fliegen, 6 Jahren Gefangenschaft in Kanada, dazu einem erlebnisreichen Leben in einer Welt vieler Geschäfte wollte ich die Pensionierung in noch gutem gesundheitlichen Zustand erleben. - Deshalb plante ich - im Alter von 60 Jahren -1979 die IBM in gutem Zustand zu hinterlassen. - Manche wollten das nicht glauben: Vielfältige Erfahrung, so viel Praxis! - schon aufgeben. - Für mich hieß jedoch die Pensionierung: - Anfang eines neuen Lebens-Abschnitts! - Meine geschäftliche Erfahrung und Praxis konnte ja weitergegeben werden: In Buchform!

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